Umwelt & Tiere15.04.2026

EAT-Lancet-Report 2.0: Planetary Health Diet für eine gesunde und nachhaltige Ernährung

Sechs Jahre nach ihrem ersten Bericht untermauern die Wissenschafter:innen der internationalen EAT-Lancet-Kommission den Stellenwert ihrer globalen Ernährungsempfehlungen. Über 70 Expert:innen aus über 35 Ländern sichteten dafür neue Erkenntnisse aus der Forschung. Sie gingen der Frage nach, wie eine wachsende Weltbevölkerung innerhalb der planetaren Grenzen ernährt werden kann und welche politischen und gesellschaftlichen Weichenstellungen dafür nötig sind.

Teller mit Hülsenfrüchten, Reis und Gewürzen, die in Form der Kontinente platziert sind

Der EAT-Lancet-Report ist die bisher umfassendste wissenschaftliche Untersuchung zu globalen Ernährungssystemen. Der erste 2019 publizierte Bericht gilt als eine der einflussreichsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen in der jüngeren Geschichte. Erstmals wurde der Zusammenhang von Ernährungssystemen, Gesundheit, Klima und sozialer Gerechtigkeit umfassend beleuchtet.

Daraus wurden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet, die den Druck auf die planetaren Grenzen verringern sollen. Diese bilden den sicheren Handlungsspielraum für das Ökosystem der Erde und die Entwicklung der Menschheit. Sieben der neun Grenzen wurden laut der aktuellen Forschung bereits überschritten.

Gesundheitlicher Referenzrahmen

Im Zentrum der Empfehlungen steht weiterhin die Planetary Health Diet (PHD), die auf einer vielfältigen, vorwiegend pflanzlichen Ernährung aufbaut: Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte bilden die Basis. Die Empfehlungen bieten einen flexiblen Rahmen, der mit einer flexitarischen, vegetarischen oder veganen Ernährung vereinbar ist. Tierisches Protein ist nicht notwendig: Der Proteinbedarf kann einfach durch mehr Hülsenfrüchte, Sojaprodukte und Nüsse gedeckt werden. Abbildung 1 verdeutlicht, wie stark der aktuelle globale Nahrungsmittelverzehr von den Referenzwerten der PHD abweicht. Zudem bestehen große Unterschiede zwischen den Weltregionen.

Eine weltweite Umstellung könnte laut Bericht jährlich bis zu 15 Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern und die Häufigkeit ernährungsbedingter chronischer Erkrankungen deutlich senken. Das gilt vor allem dann, wenn viele pflanzliche Proteinlieferanten verzehrt werden.

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Ernährungssysteme als Treiber ökologischer Krisen

Die Kommission quantifiziert nun erstmals den Einfluss von Ernährungssystemen auf alle neun planetaren Grenzen (siehe Abbildung 2). Das Ergebnis ist deutlich: Sie sind der wesentliche Treiber für fünf der sieben bereits überschrittenen planetaren Grenzen. Selbst bei einem vollständigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern könnten Ernährungssysteme allein das 1,5-Grad-Ziel gefährden. Mit rund 17 Gigatonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr verursachen sie rund 30 % der globalen Treibhausgasemissionen.

Ein erheblicher Anteil davon entfällt auf die landwirtschaftliche Produktion, insbesondere auf tierbasierte Erzeugnisse. Methanemissionen, die durch die Verdauung von Wiederkäuern verursacht werden, sowie Emissionen aus dem Güllemanagement tragen wesentlich dazu bei. Hinzu kommen Emissionen aus Landnutzungsänderungen, etwa durch die Umwandlung von Wäldern in Weide- oder Ackerflächen. Maßgeblich sind auch Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette wie Düngemittelherstellung, Transport und Lebensmittelverschwendung.

Gleichzeitig beansprucht die Landwirtschaft rund 48 Millionen km² Fläche und ist die Hauptursache für den Verlust intakter Ökosysteme. Auch Wasserressourcen werden stark beansprucht, da ein Großteil der weltweiten Süßwasserentnahme der Bewässerung dient. Darüber hinaus trägt die intensive Nutzung von Stickstoff und Phosphor bei der Düngung zu Umweltbelastungen bei, während großflächige Monokulturen funktionierende Ökosysteme bedrohen.

Soziale Dimension

Neben ökologischen Belastungen bestehen massive soziale Ungleichheiten. Weniger als 1 % der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen Ernährungsbedürfnisse gedeckt werden, ohne planetare Grenzen zu überschreiten. Während das reichste Drittel der Weltbevölkerung über 70 % der ernährungsbedingten Umweltbelastungen verursacht, fehlt Milliarden Menschen der Zugang zu einer gesunden Ernährung.

Viele Beschäftigte im Ernährungssystem arbeiten zudem unterhalb eines existenzsichernden Lohns. Der Bericht ergänzt ökologische und gesundheitliche Faktoren daher um soziale Gerechtigkeit.

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Politische Weichenstellungen

Die Kommission betont, dass gebündelte politische Maßnahmen unabdinglich sind. Selbst einzelne ambitionierte Ansätze würden planetare Grenzen überstrapazieren, wenn nicht interdisziplinär gedacht wird. Deshalb wurden acht vorrangige Lösungsbereiche identifiziert – unter anderem die Förderung gesunder Ernährungsweisen, strenge Regulierungen zum Schutz intakter Ökosysteme, faire Arbeitsbedingungen sowie die Mobilisierung erheblicher Finanzmittel für die Transformation der Ernährungssysteme.

Koordinierte Gegenkampagnen

Im Vorfeld der Veröffentlichung des neuen Berichts war unklar, wie die Ergebnisse aufgenommen werden. Der erste EAT-Lancet-Report von 2019 löste neben fachlichen Debatten eine massive Gegenbewegung aus. Innerhalb weniger Wochen erschienen hunderte negative Medienbeiträge und tausende Reaktionen in den sozialen Medien. Einige Forscher:innen erhielten Morddrohungen und wurden persönlich angegriffen.

Die Changing Markets Foundation analysierte diese Welle kritischer Onlinebeiträge und deckte eine gezielte Gegenkampagne auf. Etwa 100 sogenannte „Desinformations-Influencer:innen“ erzeugten über 90 % der Interaktionen, für die unter anderem Hashtags wie #Yes2Meat und #ClimateFoodFacts genutzt wurden. Das Ziel bestand offensichtlich darin, den Bericht als ideologisch motiviert darzustellen.

Koordiniert wurde die Kampagne von einer PR-Agentur, die in der Vergangenheit für ein Bündnis aus der Fleisch- und Milchindustrie tätig war. Bei einer Konferenz in Denver im Jahr 2024 soll geleakten Dokumenten und Audioaufnahmen zufolge eine Kommunikationsstrategie entwickelt worden sein, um die Branche vor regulatorischen Konsequenzen zu schützen.

Wer sich rein auf die Daten fokussiert, erkennt, wie eng die Stabilität unseres Ökosystems sowie menschliche Gesundheit und soziale Gerechtigkeit miteinander verknüpft sind. Ernährungssysteme stehen dabei im Zentrum dieser Wechselwirkungen. Der EATLancet-Bericht verdeutlicht: Eine radikale Transformation stellt den wohl wirkungsvollsten Hebel für eine nachhaltige Zukunft dar.

Quelle

Röckstrom, Johan et al. 2025. The EAT–Lancet Commission on healthy, sustainable, and just food systems. The Lancet, 406(10512), 1625–1700.

Dieser Artikel ist in unserer VEGAN.AT-Ausgabe 45 erschienen.

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